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Die Johanna-Quandt-Stiftung hat kürzlich über die diesjährigen Preisträger des Herbert Quandt Medien-Preises 2011 informiert.
Der Preis wird am 22. Juni überreicht; zu den diesjährigen Preisträger gehören die BILD-Journalisten Nikolaus Blome und Paul Ronzheimer.
Sie werden für ihre Artikel-Serie "Geheimakte Griechenland" ausgezeichnet. Weitere Infos siehe: www.johanna-quandt-stiftung.de/index2.html
Bei der Otto Brenner Stiftung ist vor einigen Wochen eine Studie erschienen, die die BILD-Berichterstattung über die Griechenland- und Eurokrise 2010 untersucht hat.
Alle wichtigen Informationen rund um diese Studie finden sich unter: www.bild-studie.de
Auch die von der Quandt-Stiftung prämierte Herbstserie war Gegenstand der OBS-Untersuchung.
Die Darstellung und Deutung der Artikel-Serie finden Sie hier: http://ow.ly/5iwXk (Teil 5: Herbstserie "Wie Griechenland den Euro bekam")
Für die Autoren der BILD-Studie, Dr. Hans-Jürgen Arlt und Dr. Wolfgang Storz (siehe auch: www.bild-studie.de/autoren/), ist die Auszeichnung der Serie mit einem Journalistenpreis nicht nachvollziehbar.
Sie haben eine kritische Stellungnahme zu der Jury-Entscheidung verfasst und die OBS gebeten, diese Stellungnahme öffentlich zu machen.
Wir kommen dieser Bitte gerne nach und geben Ihnen die Kritik der beiden Autoren der OBS-Studie "Drucksache Bild - Eine Marke und ihre Mägde" an der Quandt-Entscheidung anbei zur Kenntnis.
Die Otto Brenner Stiftung hat die Johanna-Quandt-Stiftung eingeladen, in einer gemeinsamen Veranstaltung die Diskussion über ihre Preis-Entscheidung und die Ergebnisse unserer Studie auch öffentlich weiterzuführen.
Jury-Mitglieder und prämierte BILD-Journalisten sollen mit den Autoren der OBS-Studie ihre unterschiedlichen Auffassungen austauschen können und sich dem kritischen Fachpublikum zu Fragen des Qualitätsjournalismus stellen.
„Bild“ ist ein Boulevardmedium, das täglich großes Geschrei und viel Gedöns um sich selbst macht, aber kaum Journalismus. Deshalb kann derjenige, der „Bild“ nur anhand journalistischer Kriterien untersucht, weder ihre Machart verstehen, noch ihren Erfolg erklären.
An die Stelle des Journalismus, der mit seiner Arbeit der Information, der Orientierung und Kommentierung von gesellschaftlich Bedeutsamen sein Publikum erreichen will, setzt „Bild“ Methoden der Werbung, der Unterhaltung, der Kampagnenkommunikation und des Marketings. So lautet das zentrale Ergebnis einer neuen „Bild“-Studie, die bei der Otto Brenner Stiftung erschienen ist. „Bild“ folgt einer Logik, die darauf zielt, ein Catch-all-Medium herzustellen, das möglichst viel Publikum fängt und fesselt – von diesem Ziel leiten sich Themenwahl und Machart ab. Dieses Leitbild verfolgen Verlag, Herausgeber und Chefredaktion mit aller Konsequenz. Das fängt bei dem immer noch niedrigen Preis an, geht mit einem ausgefeilten Vertriebssystem weiter und gipfelt darin, dass Themen, Sprache, Bilder und Layout rücksichtslos als Stimulationsmittel und Reizwerte eingesetzt werden.
Am Beispiel der „Bild“-Berichterstattung über die Griechenland- und Eurokrise des Jahres 2010 zeigen die beiden Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz mit einer empirischen Untersuchung im Detail auf, wie die „Bild“-Mannschaft Themen und Ereignisse als eine Knetmasse behandelt für ihre publizistischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke.
Die Autoren laden zu einem Wechsel der Perspektive auf die „Bild“-Zeitung ein. Sie kommen zu dem Schluß, dass das Erfolgsgeheimnis von „Bild“ darin liegt, dass sie kein journalistisches Produkt ist. „Bild“ schöpft den „Kessel Buntes“ der Massenkommunikation bis zur Neige aus. Sie profitiert davon, die Grenzen zu überschreiten, die andere einhalten. Wie der Dieb das Eigentum so braucht „Bild“, um sich zu profilieren, andere Medien-Akteure, die das journalistische Handwerk pflegen. Auch die Grenze zwischen massenmedialer Veröffentlichung und ökonomischem Produkt löst „Bild“ konsequent auf. Veröffentlichung und Handels-Geschäft treiben im Hause „Bild“ ein offenes Wechselspiel. Die Distanz liegt nahe null: Volksbibel, Volkspizza und Volksmeinung werden auf dieselbe Weise vermarktet.
Aufmerksamkeit und Wirksamkeit gewinnt „Bild“ nicht nur mit ihrer aufreizenden Machart und ihrer offensiven Selbstvermarktung, sondern auch aufgrund ihrer Inszenierung als „Volksstimme“. Der virtuelle nationale Stammtisch, an den „Bild“ täglich einlädt, ist eine Selbstinszenierung, die nur solange existiert, wie ihr bereitwillig Glauben geschenkt wird.
„Der Versuch der „Bild“-Zeitung, sich selbst an die Stelle der öffentlichen Meinung zu setzen und als Sprachrohr des politischen Mainstreams aufzutreten, ist in den letzten Jahren ungenierter geworden. Der Selbstverständlichkeit, mit der „Bild“ in Deutschland die Rolle des massenmedialen Platzhirsches einnimmt, muss widersprochen werden“, schreibt die Otto Brenner in ihrem Vorwort zur Studie. Der empirische Befund, dass es sich bei „Bild“ im Kern um kein journalistisches Produkt handelt, lädt zu einer Debatte ein mit dem Ziel, Grenzen neu zu ziehen: wo hört Journalismus auf, wo fangen andere Gattungen öffentlicher Kommunikation an.
„Erweiterungen und Vertiefungen“, Teil IV der Studie, mit wichtigen Befunden der empirischen Untersuchung steht „nur“ online zur Verfügung. Dort findet sich auch ein Interview der Autoren mit Günter Wallraff.
Die Otto Brenner Stiftung hat eine neue Studie mit dem Titel "Berufliche Weiterbildung in Europa – Was Deutschland von nordeuropäischen Ländern lernen kann" veröffentlicht.
Ziel der Studie ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen skandinavischen Ländern und Deutschland in der beruflichen Weiterbildung heraus zu arbeiten und Ansatzpunkte für eine gewerkschaftspolitische Strategie auf zu zeigen. Zur Behebung von Qualifizierungsproblemen werden die in Schweden entwickelten „Technik-Colleges“ als Modell für Deutschland vorgeschlagen. Dabei bestimmen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände zusammen mit den Unternehmen die Qualitäts- und Effektivitätskriterien für die Einrichtungen des staatlichen und nichtstaatlichen Aus- und Weiterbildungssystems. Durch diese Zertifizierung in Verbindung mit einer generellen Aufwertung der Erwachsenenbildung könnte die Weiterbildungslandschaft in Deutschland partiell reguliert und dadurch dem Fachkräftemangel insbesondere in Ostdeutschland begegnet werden.
Autor der Studie ist PD Dr. Rainer Weinert
Die Studie steht zum Bestellen und Downloaden in unserem Otto Brenner Shop bereit.
...betitelte das Online-Portal Meedia seine Reaktion auf die Bild-Serie.
"Kritische Veröffentlichungen gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind natürlich legitim - solange sie sauber recherchiert sind und keine unlauteren Mittel benutzt werden...", äußert sich der WDR zu den von der Bild-Zeitung lancierten Vorwürfen gegen die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Auf den Seiten des WDR findet man die entsprechende Stellungnahme.
Um der Unübersichtlichkeit der Online-Präsenz der Bild-Zeitung zu entgehen, hier auf einen Klick der Zugang zu den einzelnen Beiträgen der Bild-Serie:
1. Vetternwirtschaft und Gebührenverschwendung: Der große ARD-Report
2. Filz und Schlamperei: So versenkt die ARD Millionen
3. Dabei sein ist alles: Was machen die ARD-Chefs bei der Olympia?
Die ARD wird 60 Jahre alt. Der Geburtstag ist für die "BILD" Anlaß, in einem mehrteiligen Report über Geschichte und Gegenwart der ARD zu polemisieren.
Ergebnisse der Untersuchung "Wirtschaftsjournalismus in der Krise", die bei der Otto Brenner Stiftung erschienen ist, wurden auch aufgegriffen, und als Beleg für die schlechte Arbeit der ARD zitiert.