Otto Brenner Blog

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06.04.2011

Drucksache „Bild“ – Fehlanzeige Journalismus

Studie der Otto Brenner Stiftung analysiert Machart und Erfolg der „Bild“-Zeitung

„Bild“ ist ein Boulevardmedium, das täglich großes Geschrei und viel Gedöns um sich selbst macht, aber kaum Journalismus. Deshalb kann derjenige, der „Bild“ nur anhand journalistischer Kriterien untersucht, weder ihre Machart verstehen, noch ihren Erfolg erklären.

An die Stelle des Journalismus, der mit seiner Arbeit der Information, der Orientierung und Kommentierung von gesellschaftlich Bedeutsamen sein Publikum erreichen will, setzt „Bild“ Methoden der Werbung, der Unterhaltung, der Kampagnenkommunikation und des Marketings. So lautet das zentrale Ergebnis einer neuen „Bild“-Studie, die bei der Otto Brenner Stiftung erschienen ist. „Bild“ folgt einer Logik, die darauf zielt, ein Catch-all-Medium herzustellen, das möglichst viel Publikum fängt und fesselt – von diesem Ziel leiten sich Themenwahl und Machart ab. Dieses Leitbild verfolgen Verlag, Herausgeber und Chefredaktion mit aller Konsequenz. Das fängt bei dem immer noch niedrigen Preis an, geht mit einem ausgefeilten Vertriebssystem weiter und gipfelt darin, dass Themen, Sprache, Bilder und Layout rücksichtslos als Stimulationsmittel und Reizwerte eingesetzt werden.

Am Beispiel der „Bild“-Berichterstattung über die Griechenland- und Eurokrise des Jahres 2010 zeigen die beiden Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz mit einer empirischen Untersuchung im Detail auf, wie die „Bild“-Mannschaft Themen und Ereignisse als eine Knetmasse behandelt für ihre publizistischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke.

Die Autoren laden zu einem Wechsel der Perspektive auf die „Bild“-Zeitung ein. Sie kommen zu dem Schluß, dass das Erfolgsgeheimnis von „Bild“ darin liegt, dass sie kein journalistisches Produkt ist. „Bild“ schöpft den „Kessel Buntes“ der Massenkommunikation bis zur Neige aus. Sie profitiert davon, die Grenzen zu überschreiten, die andere einhalten. Wie der Dieb das Eigentum so braucht „Bild“, um sich zu profilieren, andere Medien-Akteure, die das journalistische Handwerk pflegen. Auch die Grenze zwischen massenmedialer Veröffentlichung und ökonomischem Produkt löst „Bild“ konsequent auf. Veröffentlichung und Handels-Geschäft treiben im Hause „Bild“ ein offenes Wechselspiel. Die Distanz liegt nahe null: Volksbibel, Volkspizza und Volksmeinung werden auf dieselbe Weise vermarktet.

Aufmerksamkeit und Wirksamkeit gewinnt „Bild“ nicht nur mit ihrer aufreizenden Machart und ihrer offensiven Selbstvermarktung, sondern auch aufgrund ihrer Inszenierung als „Volksstimme“. Der virtuelle nationale Stammtisch, an den „Bild“ täglich einlädt, ist eine Selbstinszenierung, die nur solange existiert, wie ihr bereitwillig Glauben geschenkt wird.

„Der Versuch der „Bild“-Zeitung, sich selbst an die Stelle der öffentlichen Meinung zu setzen und als Sprachrohr des politischen Mainstreams aufzutreten, ist in den letzten Jahren ungenierter geworden. Der Selbstverständlichkeit, mit der „Bild“ in Deutschland die Rolle des massenmedialen Platzhirsches einnimmt, muss widersprochen werden“, schreibt die Otto Brenner in ihrem Vorwort zur Studie. Der empirische Befund, dass es sich bei „Bild“ im Kern um kein journalistisches Produkt handelt, lädt zu einer Debatte ein mit dem Ziel, Grenzen neu zu ziehen: wo hört Journalismus auf, wo fangen andere Gattungen öffentlicher Kommunikation an. 

„Erweiterungen und Vertiefungen“, Teil IV der Studie, mit wichtigen Befunden der empirischen Untersuchung steht „nur“ online zur Verfügung. Dort findet sich auch ein Interview der Autoren mit Günter Wallraff.

Zur offiziellen Internetseite der Studie

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20.10.2010

15. Mainzer Mediendisput

„Örtliche Betäubung und bestellte Wahrheiten – wenn Öffentlichkeit amputiert wird“, so lautet das Oberthema des 15. Mainzer Mediendisputs, der am 24. und 25. November 2010 im Landesfunkhaus des SWR und im ZDF-Konferenzzentrum stattfindet.

In verschiedenen Diskussionsrunden werden Journalisten, Medienkritiker und Medienwissenschaftler die öffentliche Integrationsdebatte, die Lage des
Lokaljournalismus’, das Thema „Missbrauch“ in den Medien und den Missbrauch der Medien sowie die Macht der Blogger ausleuchten. Zugesagt haben hierfür unter anderem der ehemalige Intendant des WDR, Fritz Pleitgen, der Nachrichtenchef von ProSiebenSat1, Peter Limbourg, die Journalisten Tilman Jens und Johannes von Dohnanyi sowie Alfons Pieper, der Macher der vielbeachteten Seite www.wir-in-nrwblog.de und Preisträger des Otto Brenner Preis 2010 in der Kategorie Medienprojektpreis.

Das komplette Programm mit weiteren Informationen und dem Anmeldebogen finden Sie unter www.mediendisput.de

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07.10.2010

Otto Brenner Preis 2010 – die Preisträger

Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus 2010 geht an die „Ausnahmejournalistin“ Carolin Emcke. Namhafte Jury ehrt die „Sprachmacht des Gesellschaftskritikers“ Willi Winkler mit dem „Spezial“- Preis der OBS.

Den 1. Preis der Otto Brenner Stiftung erhält Carolin Emcke für ihren Text „Liberaler Rassismus“, erschienen am 25. Februar 2010 in „Die Zeit“. Die Jury lobt die „gedankliche und sprachliche Präzision“ der Ausnahmejournalistin und ihren intellektuellen Mut, „der bewundernswert ist“. „Wer wissen will, was aufklärerischer Journalismus ist, der muss Carolin Emcke lesen. Wer wissen will, warum die Debatte über den Islam in Deutschland so schauerlich falsch läuft, der muss ihren ausgezeichneten Text studieren“, heißt es in der Begründung der Jury. In „Liberaler Rassismus“ zeige die Preisträgerin, „wie die Ideale der Aufklärung pervertiert werden: weil man unter ihrem Deckmantel die Anhänger einer Weltreligion als Gefahrpersonen pauschalisiert.“ Emcke argumentiert gegen die gängige Meinung – „sie tut es klug, mit präzisem Blick, Erfahrung und Mut“, urteilt die Jury in ihrer Begründung für den 1. Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist.

Mit dem 2. Preis werden außerordentliche und hartnäckige Recherchen zum umstrittenen Textildiscounter KiK gewürdigt. Nach Meinung der Jury ist der große Erfolg der „KiK-Story“ bei den Zuschauern Beleg dafür, „dass aufwändig recherchierte und verständlich erzählte Reportagen über Missstände in der globalisierten Ökonomie auch zur besten Sendezeit auf breites Interesse stoßen“. Christoph Lütgert und seinem NDR-Team „Panorama – Die Reporter“ ist es nach Auffassung der Jury gelungen, das „Schicksal der für KiK arbeitenden Näherinnen in Bangladesch und der Verkäuferinnen ihrer Produkte in Deutschland so authentisch zu schildern, dass Weggucken schwerfällt“. Die Jury unterstreicht in ihrer Preisbegründung, dass das Reporterteam Mut für weitere Vorhaben stifte und aufzeige, „wie die Gebühreneinnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender auch für kritischen Journalismus sinnvoll eingesetzt werden können“.

Mit dem 3. Preis wird das Autorenteam Markus Metz und Georg Seeßlen (Bayerischer Rundfunk) ausgezeichnet. Ihr Radiobeitrag „Von der Demokratie zur Postdemokratie. Eine Gesellschaftsform in der Krise“ spanne „einen weiten Bogen voll zündender Gedanken und generiert kraftvolle Aufklärung“, lobt die Jury. Demokratiegefährdende Entwicklungen würden nachgezeichnet, intelligent interpretiert und kontrovers diskutiert - und das mit allen kreativen Gestaltungsmitteln, die im Hörfunk viel zu selten ausgeschöpft würden. „Als Hörer dürfen wir gut 50 Minuten lang Zeugen eines öffentlichen Nachdenkens sein. Wir werden bereichert in unserem Wissen und unserer Urteilskraft und am Ende, hoffentlich, von bloßen Zeugen zu Akteuren“, heißt es in der Jury-Begründung.

Gewinner des „Spezial“-Preises, ausgeschrieben von der OBS für Kommentar und Essay, ist Willi Winkler. Mit dem „Spezial“-Preis „zeichnet die Jury einen unabhängigen, kritischen Kopf aus“, dessen Handschrift einzigartig und zugleich eigenwillig ist. Die Jury lobt den Autor als einen Gesellschaftskritiker, „der sich von der Diktatur des Aktuellen und Modischen nicht beeindrucken lässt“. Artikel, Kommentare und Analysen des freien Journalisten Willi Winkler zu lesen, „ist Pflicht und Kür zugleich, weil solche unverbrauchten Gedanken in schöner Sprachmacht selten geworden sind“, begründet die Jury ihre Entscheidung und fügt hinzu: „Der Sprachkünstler und Widerspruchsgeist Willi Winkler lässt unseren Berufsstand glänzen“. Der „Spezial“-Preis der Otto Brenner Stiftung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Mit dem „Newcomer“-Preis, der auf besondere Nachwuchstalente aufmerksam machen will, werden Karin Prummer und Dominik Stawski, Volontäre der „Süddeutschen Zeitung“, ausgezeichnet. Sie haben in einer dicht recherchierten Artikelserie über den verantwortungslosen Umgang der Katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch berichtet. Die Jury sieht darin eine „überaus reife journalistische Leistung, tadellos in Inhalt und Form“. Beharrlichkeit, Sorgfalt und Genauigkeit seien Besonderheiten dieser umfassenden Recherche, die die Jury auch im Ton der Darstellung überzeugt hat. Ein „Meisterstück, das journalistische Distanz mit Dezenz verbinde“, heißt es in der Jury-Begründung.

Einmal im Jahr zeichnet die OBS auch innovative und wegweisende Medienprojekte aus. 2010 geht der „Medienprojektpreis“ der Otto Brenner Stiftung an den Internet-Blog „Wir in NRW“. Alfons Pieper und seine (anonymen) Mitstreiter berichten seit Ende 2009 in ihrem Internet-Blog exklusiv über fragwürdige Wahlkampfpraktiken des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, die bei den Zeitungen und Sendern der Region zunächst kein Thema waren. Die Autoren von „Wir in NRW“ waren stets ganz vorne mit dabei und brachten vielfach die Berichterstattung der übrigen Medien „überhaupt erst in Gang“, stellt die Jury fest. Der Blog „Wir in NRW“ ist für die Jury ein preiswürdiges Vorbild und Beispiel, „wie guter Journalismus im Internet aussieht, der – mit Breitenwirkung – Fehlentwicklungen in Medien und Politik bekämpft und korrigiert.“

In Kooperation mit der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ (www.netzwerkrecherche.de) werden von der Otto Brenner Stiftung zusätzlich drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Recherche-Stipendien vergeben. Mit den Stipendien soll den Preisträgern die Möglichkeit gegeben werden, frei von ökonomischen Zwängen und mit professioneller Begleitung von erfahrenen „Mentoren“ ihre Projektthemen recherchieren zu können. Um den Erfolg der investigativen Recherchen nicht zu gefährden, werden die Preisträger und ihre Recherchethemen erst mit dem Abschluss der Arbeiten öffentlich gemacht.

Mitglieder der Jury des Otto Brenner Preises sind Sonia Seymour Mikich (Monitor, WDR), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Prof. Dr. Volker Lilienthal (Rudolf- Augstein-Stiftungsprofessur für Qualitätsjournalismus, Uni Hamburg), Prof. Dr. Thomas Leif (Netzwerk Recherche) und Prof. Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) sowie Berthold Huber (Verwaltungsratsvorsitzender der Otto Brenner Stiftung).

Die Otto Brenner Stiftung verleiht 2010 zum sechsten Mal den Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus. Prämiert werden journalistische Arbeiten, die das Motto der Ausschreibung „Gründliche Recherchen statt bestellter Wahrheiten“ herausragend umgesetzt haben. Aus 571 Bewerbungen wählte die Jury am 21. September die Preisträger in fünf Kategorien. Das Preisgeld beträgt in diesem Jahr insgesamt 47.000 Euro.

Die Preisverleihung findet am 2. November in Berlin statt (Maritim Hotel Berlin, Stauffenbergstr. 26, 10785 Berlin, ab 17:00 Uhr). Festrednerin ist Dr. Franziska Augstein („Süddeutsche Zeitung“). Ihr Thema: „Die Journaille – Von der Schwierigkeit, sich eine Meinung zu bilden“.

Informationen zu den prämierten Beiträgen und den diesjährigen Preisträgern haben wir in einer Pressemappe zusammengestellt: www.otto-brenner-preis.de. Auf der „Preishomepage“ besteht für Pressevertreter auch die Möglichkeit, sich noch bis zum 29. Oktober für die Preisverleihung anzumelden.

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14.06.2010

Otto Brenner Preis 2010 – jetzt bewerben!

Die "Otto Brenner Stiftung" schreibt auch für 2010 wieder ihren Journalistenpreis aus. Der "Brenner Preis", dotiert mit insgesamt 45.000 Euro, steht unter dem Motto „Kritischer Journalismus – Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten.

Das Ziel

Verliehen wird der Preis an Journalistinnen und Journalisten, die gesellschaftlich relevante, aber gemessen an deren Bedeutung nicht ausreichend behandelte Themen in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Die Jury prämiert Beiträge, die sich durch eine eigenständige und vor allem gründliche Rechercheleistung positiv absetzen und in Sprache, Stil und Darstellung Maßstäbe setzen. „Der Otto Brenner Preis ist ein Preis, der für guten Journalismus steht. Vergeben von einer Jury, die journalistische Integrität repräsentiert.“ (Tom Schimmeck, Festredner 2009)

Die Jury

Sonia Seymour Mikich (WDR, Monitor)
Prof. Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung)
Harald Schumann (Der Tagesspiegel)
Prof. Dr. Volker Lilienthal (Uni Hamburg)
Prof. Dr. Thomas Leif (netzwerk recherche e. V.)
Berthold Huber (Verwaltungsratsvorsitzender der Otto Brenner Stiftung

„Best of“

Die prämierten Beiträge, die Laudatien der Jury, die Festrede und weitere wichtige Texte dokumentiert die Otto Brenner Stiftung in einem „Best of“, das jährlich erscheint. Bestellmöglichkeit im „Brenner Shop“ unter http://www.otto-brenner-shop.de/publikationen/materialien-otto-brenner-preis.html

Die Ausschreibung

Bewerbungsschluss 2010 ist der 13. August. Weitere Infos zum Preis, zu den Modalitäten der Bewerbung, über bisherige Preisträger usw. gibt  es unter www.otto-brenner-preis.de

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31.05.2010

Der Journalismus und die Krise – Krise des Journalismus? Veranstaltung mit OBS-Autoren

Am Mittwoch, den 02. Juni, findet ab 19:30 Uhr im Großen Saal des Ökohaus in Frankfurt am Main ein Vortrag mit den OBS-Autoren der Studie "Wirtschaftsjournalismus in der Krise", Wolfgang Storz und Hans-Jürgen Arlt, statt. Die Veranstaltung wird vom Regionalbüro Hessen der Rosa Luxemburg Stiftung organisiert. Weitere Informationen sind auf der Internetseite der Rosa Luxemburg Stiftung zu finden.

Die Studie kann zur Vorbereitung im Otto Brenner Shop bestellt oder herunter geladen werden.

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