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Und es gibt ihn doch, den Klebeeffekt bei der Leiharbeit. Seine Anfangsfestigkeit ist zwar gering aber die Trocknungszeit kurz und die Lebensdauer lang. Glücklich sind die Klebenden darüber nicht, wie unsere neue Studie zeigt. Denn wer einmal klebt, der klebt lange, in der Leiharbeit wohlgemerkt.
Der Sozialwissenschaftlerin Dr. Sandra Siebenhüter gelingt es in der Studie "Integrationshemmnis Leiharbeit" in das Blackbox-System Leiharbeit hineinzuleuchten. Dafür hat sie einen qualitativen Ansatz gewählt und sich aufwändiger, investigativer Methoden bedient. Zu Tage tritt dabei allerlei Übel, der zum Alltag des Leiharbeiterdaseins gehört. Alles sehr zum Ärger der Verleiher, die mit dieser atypischen "flexiblen" (dt. belastenden) Beschäftigung beträchtliche Gewinne lukrieren.
Quasi mit dem Erscheinen der Studie fliegen die ersten Platzpatronen durch die Luft. Als erster jagt der Bundesverband der Personaldienstleister (BAP) eine ebenso pressante wie skurrile Pressemitteilung in den Orbit. Wahrscheinlich nur mit dem Titel der Studie im Ohr, berief man eilig ein Krisenmeeting. Dann Brainstorming. Gegen was auch immer hat sich am Ende der "Integrationshebel" durchgesetzt, womit Leiharbeit gemeint sein soll. Die Suche nach irgendeiner Alliteration war offensichtlich wichtiger als die inhaltliche Befassung mit der Studie. Vorwürfe, die in der Studie gar nicht erhoben werden, werden unsinnigerweise zurückgewiesen. Der Studie, die großen Wert darauf legt keinen repräsentativen Anspruch zu haben, wird vorgeworfen, sie sei nicht repräsentativ. Von Einzelfällen könne man nicht auf die gesamte Branche schließen, so die Argumentation. Dieser Dialektik folgend könne man auch von einer Million Einzelfällen nicht auf die gesamte Branche schließen. Ein Witz dann, dass dann ausgerechnet am Einzelfall die angeblichen Vorteile der Leiharbeit bezeugt werden.
Etwas pfiffiger reagierte der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ), der immerhin auf die Probleme bei der Zeitarbeit einging. Deren Kommunikationsabteilung entschied sich gegen Dementis von Vorwürfen die in der Studie nicht erhoben werden, und für semantische Kniffs, die der Studie klandestin ihre Legitimität abzusprechen versuchen. Demnach basiere die Studie auf Schätzungen, obwohl sie tatsächlich auf Interviews basiert. Und überhaupt sei die Autorin nur auf schwarze Schafe der Branche gestoßen. Schließlich weißt die iGZ noch darauf hin, dass sie ethischen Grundsätzen für die Leiharbeit arbeite. Da muss nun jeder selber für sich entscheiden, ob der größere Skandal der ist, dass es noch nicht mal ethische Grundsatz gibt oder dass sie überhaupt benötigt werden.
Die Reaktionen des BAP und des IGZ finden Sie auf unserer Übersichtsseite zur Studie