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Am 11. September startet Günther Jauch mit seiner Talkshow in der ARD. Dann gibt es alleine im Ersten Programm fünf Talkrunden pro Woche. Diese drohende Inflation war Anlass für die Otto Brenner Stiftung, eine „Talkshow-Studie“ auf den Weg zu bringen. In der Studie werden Inszenierungsstrategien und redaktionelle Dramaturgien der TV-Polit-Talkshows kritisch untersucht. Die Ergebnisse werden zu „Handlungsempfehlungen“ verdichtet.
„Die Verbindlichkeit schwindet. Die Beliebigkeit wächst. Obwohl sich alle einzelnen Sendungen anstrengen werden, dem Zuschauer zu gefallen. (…) Am Ende könnte sich der Zuschauer selbst entwertet fühlen. Das ist die gravierendste psychologische Folge der Inflation“, kommentiert die Studie den Talkshow-Overlaod, der ab dem 11. September droht.
Bernd Gäbler, der Autor der Studie, hat alle relevanten politischen Talkshows ein Vierteljahr lang detailliert untersucht, die „Themencluster“ und Gästekonstellationen ausgewertet. Ergebnis: Verantwortliche aus der Wirtschaft gehen höchst selten in Talkshows, Politiker als früher dominante Gästegruppe sind abgelöst worden von Medienleuten, die völlig überrepräsentiert sind. „Nimm das Naheliegende“, so laute das Credo der Talkshow-Redaktionen bei der Rekrutierung ihrer Gäste. Schon das verzerre die tatsächlichen gesellschaftlichen Debatten. „Die Wiederholungsquote bei der Gästeschar ist auch deswegen so hoch, weil das Fernsehen sich immer sehr stark auf sich selbst rückbezieht“, schreibt der Autor, der von 2001 bis 2005 Chef des Adolf Grimme Instituts war, sich als Medienkritiker einen Namen gemacht hat und inzwischen als Dozent für Journalistik arbeitet.
Die Bedeutung der Talkshows für die politische Meinungsbildung werde überschätzt, im Fernsehen spiele sie als Instrument der Politikvermittlung eine zu große Rolle und verdränge zu Unrecht andere journalistische Formate, lauten weitere Befunde der Untersuchung. „Die Talkshows helfen, die Welt in klar abgeteilte Themengruppen und Segmente einzuteilen, sie so übersichtlicher zu machen und die Meinungslager zu sortieren. Sie sind ein Instrument der Popularisierung von Politik“, heißt es in der Studie. Doch das TV-Format zwinge die Macher dazu, das menschliche Gespräch, den Austausch von Gedanken und Ideen immer wieder zu reduzieren auf die Vorführung eines Rollenspiels mit festgefügten Charakteren. Die Form dominiere den Inhalt. Nicht die sachgerechte Aufbereitung eines Themas, sondern die fernsehgerechte, also vor allem unterhaltsame Inszenierung von Konfrontation und Konsens bestimme die Politikdarstellung...
Die gesamte Pressemitteilung ist in unserem Pressearchiv abrufbar.
Die Johanna-Quandt-Stiftung hat kürzlich über die diesjährigen Preisträger des Herbert Quandt Medien-Preises 2011 informiert.
Der Preis wird am 22. Juni überreicht; zu den diesjährigen Preisträger gehören die BILD-Journalisten Nikolaus Blome und Paul Ronzheimer.
Sie werden für ihre Artikel-Serie "Geheimakte Griechenland" ausgezeichnet. Weitere Infos siehe: www.johanna-quandt-stiftung.de/index2.html
Bei der Otto Brenner Stiftung ist vor einigen Wochen eine Studie erschienen, die die BILD-Berichterstattung über die Griechenland- und Eurokrise 2010 untersucht hat.
Alle wichtigen Informationen rund um diese Studie finden sich unter: www.bild-studie.de
Auch die von der Quandt-Stiftung prämierte Herbstserie war Gegenstand der OBS-Untersuchung.
Die Darstellung und Deutung der Artikel-Serie finden Sie hier: http://ow.ly/5iwXk (Teil 5: Herbstserie "Wie Griechenland den Euro bekam")
Für die Autoren der BILD-Studie, Dr. Hans-Jürgen Arlt und Dr. Wolfgang Storz (siehe auch: www.bild-studie.de/autoren/), ist die Auszeichnung der Serie mit einem Journalistenpreis nicht nachvollziehbar.
Sie haben eine kritische Stellungnahme zu der Jury-Entscheidung verfasst und die OBS gebeten, diese Stellungnahme öffentlich zu machen.
Wir kommen dieser Bitte gerne nach und geben Ihnen die Kritik der beiden Autoren der OBS-Studie "Drucksache Bild - Eine Marke und ihre Mägde" an der Quandt-Entscheidung anbei zur Kenntnis.
Die Otto Brenner Stiftung hat die Johanna-Quandt-Stiftung eingeladen, in einer gemeinsamen Veranstaltung die Diskussion über ihre Preis-Entscheidung und die Ergebnisse unserer Studie auch öffentlich weiterzuführen.
Jury-Mitglieder und prämierte BILD-Journalisten sollen mit den Autoren der OBS-Studie ihre unterschiedlichen Auffassungen austauschen können und sich dem kritischen Fachpublikum zu Fragen des Qualitätsjournalismus stellen.
„Bild“ ist ein Boulevardmedium, das täglich großes Geschrei und viel Gedöns um sich selbst macht, aber kaum Journalismus. Deshalb kann derjenige, der „Bild“ nur anhand journalistischer Kriterien untersucht, weder ihre Machart verstehen, noch ihren Erfolg erklären.
An die Stelle des Journalismus, der mit seiner Arbeit der Information, der Orientierung und Kommentierung von gesellschaftlich Bedeutsamen sein Publikum erreichen will, setzt „Bild“ Methoden der Werbung, der Unterhaltung, der Kampagnenkommunikation und des Marketings. So lautet das zentrale Ergebnis einer neuen „Bild“-Studie, die bei der Otto Brenner Stiftung erschienen ist. „Bild“ folgt einer Logik, die darauf zielt, ein Catch-all-Medium herzustellen, das möglichst viel Publikum fängt und fesselt – von diesem Ziel leiten sich Themenwahl und Machart ab. Dieses Leitbild verfolgen Verlag, Herausgeber und Chefredaktion mit aller Konsequenz. Das fängt bei dem immer noch niedrigen Preis an, geht mit einem ausgefeilten Vertriebssystem weiter und gipfelt darin, dass Themen, Sprache, Bilder und Layout rücksichtslos als Stimulationsmittel und Reizwerte eingesetzt werden.
Am Beispiel der „Bild“-Berichterstattung über die Griechenland- und Eurokrise des Jahres 2010 zeigen die beiden Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz mit einer empirischen Untersuchung im Detail auf, wie die „Bild“-Mannschaft Themen und Ereignisse als eine Knetmasse behandelt für ihre publizistischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke.
Die Autoren laden zu einem Wechsel der Perspektive auf die „Bild“-Zeitung ein. Sie kommen zu dem Schluß, dass das Erfolgsgeheimnis von „Bild“ darin liegt, dass sie kein journalistisches Produkt ist. „Bild“ schöpft den „Kessel Buntes“ der Massenkommunikation bis zur Neige aus. Sie profitiert davon, die Grenzen zu überschreiten, die andere einhalten. Wie der Dieb das Eigentum so braucht „Bild“, um sich zu profilieren, andere Medien-Akteure, die das journalistische Handwerk pflegen. Auch die Grenze zwischen massenmedialer Veröffentlichung und ökonomischem Produkt löst „Bild“ konsequent auf. Veröffentlichung und Handels-Geschäft treiben im Hause „Bild“ ein offenes Wechselspiel. Die Distanz liegt nahe null: Volksbibel, Volkspizza und Volksmeinung werden auf dieselbe Weise vermarktet.
Aufmerksamkeit und Wirksamkeit gewinnt „Bild“ nicht nur mit ihrer aufreizenden Machart und ihrer offensiven Selbstvermarktung, sondern auch aufgrund ihrer Inszenierung als „Volksstimme“. Der virtuelle nationale Stammtisch, an den „Bild“ täglich einlädt, ist eine Selbstinszenierung, die nur solange existiert, wie ihr bereitwillig Glauben geschenkt wird.
„Der Versuch der „Bild“-Zeitung, sich selbst an die Stelle der öffentlichen Meinung zu setzen und als Sprachrohr des politischen Mainstreams aufzutreten, ist in den letzten Jahren ungenierter geworden. Der Selbstverständlichkeit, mit der „Bild“ in Deutschland die Rolle des massenmedialen Platzhirsches einnimmt, muss widersprochen werden“, schreibt die Otto Brenner in ihrem Vorwort zur Studie. Der empirische Befund, dass es sich bei „Bild“ im Kern um kein journalistisches Produkt handelt, lädt zu einer Debatte ein mit dem Ziel, Grenzen neu zu ziehen: wo hört Journalismus auf, wo fangen andere Gattungen öffentlicher Kommunikation an.
„Erweiterungen und Vertiefungen“, Teil IV der Studie, mit wichtigen Befunden der empirischen Untersuchung steht „nur“ online zur Verfügung. Dort findet sich auch ein Interview der Autoren mit Günter Wallraff.
"Fachkräftemangel in Ostdeutschland – Konsequenzen für Beschäftigung und Interessenvertretung", AH65
Gegenwärtig bahnt sich – allenfalls durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verzögert – im ostdeutschen Arbeitsmarkt, ein rascher Umschlag von massivem Nachwuchsüberschuss zu zunehmender, wahrscheinlich lang anhaltender Fachkräfteknappheit an, der die meisten Betriebe zu schnellen und tief greifenden Reaktionen zwingen wird, wenn sie überleben wollen. Hierbei werden viele Betriebe in Bedrängnis geraten, da sie auf diesen Reaktionszwang, der gegenwärtig bereits sichtbar wird, weitgehend unvorbereitet sind.
Ein Ausblick in die Zukunft beschreibt die mögliche „Verwilderung“ der Struktur von Verdienst und Arbeitsbedingungen als Risikofaktor. Ein „Abwerbekarussell“ von Fachkräften zu ungunsten der kleinen Betriebe wäre die Folge. Dem sei durch Kampagnen der Aufklärung, Ausbau von Betriebsnetzwerken und gezielte Maßnahmen zu begegnen. Beispielsweise indem man den heute 20 bis 30-Jährigen ohne Arbeit, Zugang zu einer „normalen“ Erwerbstätigkeit eröffnet.
Die Studie ist ab sofort im Otto Brenner Shop bestellbar und steht dort auch zum Download bereit.
Die Frankfurter Rundschau hat die Studie in Ihrer Ausgabe vom 14.06. in dem Artikel "Arbeitsmarktentwicklung – Lohnplus dank Geburtenknick" aufgegriffen.
Am Mittwoch, den 02. Juni, findet ab 19:30 Uhr im Großen Saal des Ökohaus in Frankfurt am Main ein Vortrag mit den OBS-Autoren der Studie "Wirtschaftsjournalismus in der Krise", Wolfgang Storz und Hans-Jürgen Arlt, statt. Die Veranstaltung wird vom Regionalbüro Hessen der Rosa Luxemburg Stiftung organisiert. Weitere Informationen sind auf der Internetseite der Rosa Luxemburg Stiftung zu finden.
Die Studie kann zur Vorbereitung im Otto Brenner Shop bestellt oder herunter geladen werden.